Eine weitere Woche voller Impressionen liegt hinter uns. Wir haben uns an viele Dinge gewöhnt, andere erscheinen immer noch erstaunlich. Nach einem Wochenende, das bei allen recht unterschiedlich verlief, kamen wir am Montag erwartungsvoll in der Schule an. Für eine Gruppe von acht Schülern ging es um 10.00 Uhr in die Johnson Elementary School, wo wir eine Gruppe von 13 Fünftklässlern trafen, die sich dank eines speziellen Programms für begabte Schüler dort jeden Montag treffen. Da sich die Gruppe gerade mit unterschiedlichen Kulturen befasste, passten wir genau in das Programm. Wir mussten uns einerseits vorstellen andererseits aber auch Fragen beantworten und danach präsentierten die amerikanischen Kinder Fakten, die sie über Deutschland herausgefunden hatten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen spendierte Mr Long, den Schülern „pancakes with real Canadian maple syrup“.
Die etwa dreiminütige Rückfahrt genossen wir in einem richtigen amerikanischen, -gelben- Schulbus. Der Dienstag verlief anfangs ähnlich, nur dass die andere Gruppe sich mit Viertklässlern traf. Es gab auch hier viele neugierige Fragen und sowohl die kleinen wie auch die großen Schüler hatten Spaß und aßen „pancakes“.Direkt im Anschluss daran ging es in‘s Stadtzentrum von Cincinnati zum Bürgermeister. Doch vorher erhielten wir aus berufenem Mund eine Führung zur Geschichte der „city hall“ Dieses eher wie eine Festung anmutende Gebäude hat schon wechselhafte Zeiten gesehen und eine Entführung der Abgeordneten gehören ebenso zur Geschichte wie die Unterbringung von Gefangenen im Untergeschoss.
Dann wurden wir zum Bürgermeister, Mark Mallory, vorgelassen. In einer etwa viertelstündigen Audienz gaben wir Auskunft über uns und unsere Reiseziele, erfuhren aber auch einiges über den Arbeitsalltag eines Bürgermeisters, der, wenn überhaupt, nur sonntags Zeit für seine Familie hat. Erschöpft von einem Tag voller Eindrücke kehrten wir nach Fort Thomas zurück. Vielen blieb jedoch keine Zeit zum Luft holen, da sie ihre amerikanischen Partner bei ihren Aktivitäten begleiteten. Ein dreistündiges Bandtraining war da genauso üblich, wie das samstägliche frühe Aufstehen, um an den „cross country“- Läufen der Schule teilzunehmen oder der Besuch der letzten langen Trainigseinheiten vor dem „football“-Spiel am Freitag.
Da die Schüler der Highschool am Mittwoch Prüfungen absolvieren mussten, hatten wir die Möglichkeit diesen Tag in der Middle School zu verbringen. Dort gab es viele Fächer, die uns neu waren. Neben den so genannten „core subjects“ , die man belegen muss, gibt es auch Möglichkeiten, zwischen Angeboten zu wählen.Mit dem Donnerstag wurden wir in den Deutschstunden zunehmend gefordert. Für die unteren Jahrgänge präsentierten wir unsere vorbereiteten Vorträge in englischer Sprache, in den älteren Jahrgängen in deutscher Sprache.
Dabei fiel uns auf, dass es fast genau so schwer ist englische Stichpunkte für deutsche Präsentationen zu nutzen wie umgekehrt. Am Freitagabend traf dann die Footballmannschaft der Highlands High School auf das Team aus Lexington. Die Mannschaft der Schule wurde von vielen Schülern, Eltern, Lehrern, der Band und der Gruppe der Cheerleader begeistert angefeuert. Der Sieg stand schon zur Halbzeit fest, wobei jeder „touchdown“ mit einem Kanonenschuss belohnt wurde. Die Stimmung war dementsprechend gut obwohl die Temperaturen eisig waren.Schnell war die Woche vorbei und eines der wichtigsten Ereignisse im Schuljahr stand auf dem Plan, der „Homecoming Ball“.
Diese zutiefst amerikanische Art zu feiern erschien uns zum Anfang seltsam. Schon am Freitag gab Direktor Robinson noch einmal über Lautsprecher die Regeln zur Kenntnis, die zum Beispiel drakonische Strafen für den Genuss von Alkohol vorsahen. Somit standen auf den festlich gedeckten Tischen des selbst ausgestalteten Saals dann auch nur Wasserkannen. Der Raum füllte sich gegen 20.00 Uhr sehr schnell mit elegant bis festlich gekleideten Jugendlichen, die im Minutentakt von ihren Eltern vorgefahren wurden.
So manch ein Jackett schmückte eine Blume und die Ballkleider mancher Damen waren einfach umwerfend. Sowohl Gruppen als auch Paare fanden sich alsbald zum Fototermin ein. Die Fotografen hatte alle Hände voll zu tun der Massen Herr zu werden. Dabei arbeiteten sie sehr gut zusammen, jeweils ein Mitarbeiter arrangierte die Pärchen während ein zweiter fotografierte. Dann begann die Musik zu spielen und es wirkte schon etwas seltsam auf uns, wie diese in Ballkleidern und Anzügen gekleideten Jugendlichen zu Hiphopmusik tanzten.
Schnell wurde uns klar, dass man auch ohne Alkohol eine richtig gute Party feiern kann.So abrupt wie der Abend begann, war er dann auch zu Ende. Um 24.00 erstarb die Musik und der Saal leerte sich zusehends.Der Sonntag lag nun wieder in der Hand der Familien.
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